Warum ich jede Stunde von Hand vorbereite
Wenn ich eine Stunde zum Thema Sicherheit im Umgang mit KI vorbereite, beginne ich nicht am Bildschirm, sondern mit Papier und Bleistift. Ich frage mich: Was haben die Teilnehmenden in den letzten Wochen erzählt? Welche Nachricht hat jemand verunsichert, welche Antwort eines Assistenten kam ihm merkwürdig vor? Aus diesen Alltagsbeobachtungen entsteht der Kern der Stunde.
Aus meiner Zeit in der Büroorganisation weiß ich, dass sich Neues am besten festsetzt, wenn es an Bekanntes anknüpft. Einen Brief mit unklarem Absender hat jeder schon einmal in der Hand gehalten. Dieses Gefühl, genauer hinzusehen, übertragen wir auf Texte, die eine KI liefert. So wird aus einem abstrakten Thema eine Fähigkeit, die Sie ohnehin mitbringen.
Ich plane bewusst weniger Stoff ein, als in die Zeit passen würde. Ein Rest bleibt für Rückfragen, für Umwege und für den Moment, in dem jemand sagt: Das habe ich so noch nie gesehen.
Welche Beispiele wir im Unterricht verwenden
Die Beispiele sammle ich über Wochen. Ich schreibe Anfragen an einen KI-Assistenten und halte fest, wo die Antwort überzeugend klingt und trotzdem falsch ist. Ein erfundener Öffnungszeiten-Hinweis, eine Auskunft zu einer Frist, die nicht stimmt, ein Rezept mit unpassender Mengenangabe: Solche Fälle sind lehrreicher als jede Regel, weil man den Fehler selbst entdecken darf.
Daneben bereite ich Muster von Nachrichten vor, wie sie viele von Ihnen im Postfach finden: dringende Zahlungsaufforderungen, Gewinnmitteilungen, angebliche Rückfragen von Banken. Wir lesen sie gemeinsam, markieren Auffälligkeiten und besprechen, was ein ruhiges Vorgehen ausmacht.
Wichtig ist mir, dass keine Vorführung entsteht, bei der jemand bloßgestellt wird. Alle Beispiele sind so gewählt, dass man sich auch beim zweiten Hinsehen noch täuschen kann. Das nimmt die Scheu und zeigt, dass Vorsicht keine Schwäche ist.
- Antworten mit Fehlern, die überzeugend klingen
- Nachrichten mit Zeitdruck und unklarem Absender
- Fragen, bei denen die KI besser schweigen sollte
Der Ablauf einer Stunde, Schritt für Schritt
Eine Stunde beginnt mit einer kurzen Runde: Was ist Ihnen seit dem letzten Mal begegnet? Manchmal füllt allein das den ersten Teil, und das ist in Ordnung. Aus diesen Erzählungen wähle ich aus, was wir vertiefen.
Danach arbeiten wir an einer einzelnen Aufgabe. Zum Beispiel bitten wir den Assistenten, eine Frage zu beantworten, und prüfen die Antwort gemeinsam an einer zweiten Quelle, etwa einem Schreiben, einer Broschüre oder der Auskunft einer Stelle vor Ort. Jeder Schritt wird einzeln gemacht und benannt, nichts läuft nebenher.
Zum Schluss halten wir auf einem Blatt fest, was Sie mitnehmen: zwei oder drei einfache Fragen, die Sie sich künftig stellen. Das Blatt gehört Ihnen und darf an den Kühlschrank oder neben den Rechner.
- Rückblick auf Erlebtes seit der letzten Stunde
- Eine Aufgabe, in Ruhe und mit Prüfschritt
- Ein Merkblatt in großer, gut lesbarer Schrift
Datenschutz zum Anfassen statt als Vortrag
Über den Schutz persönlicher Daten reden viele in großen Worten. Wir machen es greifbar. Gemeinsam öffnen wir die Einstellungen auf Ihrem eigenen Gerät und schauen nach, welche Angaben ein Programm sammelt und welche Berechtigungen es hat. Sie entscheiden dabei selbst, was Sie ändern möchten.
Ein Grundsatz begleitet uns durch alle Stunden: Was Sie einem KI-Assistenten schreiben, behandeln Sie wie eine Postkarte, nicht wie einen verschlossenen Brief. Kontonummern, Gesundheitsangaben und Zugangsdaten gehören nicht hinein. Das klingt schlicht, doch im Gespräch zeigt sich, wie schnell man im Eifer doch etwas eintippt.
Wir üben deshalb, eine Anfrage so umzuformulieren, dass sie ohne Namen und Nummern auskommt und trotzdem hilfreich bleibt. Danach fällt es erfahrungsgemäß leichter, auch im Alltag kurz innezuhalten.
Wenn die KI irrt: Was wir gemeinsam üben
Ein Assistent antwortet immer freundlich und selbstsicher, auch wenn er danebenliegt. Genau das macht es schwer, Fehler zu bemerken. Wir trainieren deshalb Signale, auf die Sie achten können: sehr glatte Formulierungen ohne Quellenangabe, genaue Zahlen, die niemand belegt, oder Ratschläge zu Medikamenten und Rechtsfragen.
In solchen Fällen gilt eine klare Linie. Bei Gesundheit, Geld und Verträgen fragen Sie eine Fachperson, etwa Ihre Ärztin, die Bank oder eine Beratungsstelle. Die KI kann beim Formulieren der Fragen helfen, die Entscheidung trägt sie nicht.
Mir ist wichtig, dass Sie dieses Misstrauen nicht als Verbot empfinden. Es ist eine Gewohnheit, die Sie freier macht: Wer weiß, wann er nachprüft, kann die Hilfe der Technik entspannter nutzen.
- Quelle verlangen und selbst gegenprüfen
- Bei Gesundheit, Geld und Verträgen Fachleute fragen
- Im Zweifel eine Nacht darüber schlafen
Was ich nach jeder Stunde notiere
Nach dem Unterricht setze ich mich noch kurz hin und schreibe auf, was gut getragen hat und wo es gehakt hat. Hat eine Erklärung zu abstrakt geklungen, formuliere ich sie für das nächste Mal um. Hat ein Beispiel Heiterkeit ausgelöst, bleibt es im Repertoire.
Diese Notizen bespreche ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen der Akademie. So bleibt der Unterricht im Haus aufeinander abgestimmt, und wer von Ihnen mehrere Module besucht, begegnet keiner widersprüchlichen Erklärung.
Vor allem aber halte ich fest, welche Fragen gestellt wurden. Oft sind es genau die, die man sich selbst nicht zu stellen traute. Sie bestimmen, womit die nächste Stunde beginnt.
Sicherheit im Umgang mit KI entsteht nicht durch Regeln zum Auswendiglernen, sondern durch Übung in ruhiger Umgebung. Hinter jeder Stunde stehen gesammelte Beispiele, ein klarer Ablauf und viel Zeit für Ihre Fragen. Wenn Sie sich in diesen Herbstwochen fragen, ob Sie neuen Werkzeugen trauen dürfen, besuchen Sie uns gern zu einem Gespräch in der Hasestraße.
